Webdesign Mit Adobe Muse?

„Nicht schon wieder ein WYSIWYG-Editor für Webseiten von Adobe“, war mein erster Gedanke, als ich Ende 2011 von der Entwicklung von Adobe Muse erfuhr. Gab es da nicht schon vor Jahren mal „Page Mill“ und „GoLive“, die beide von Adobe wieder eingestellt wurden?

Zwischenzeitlich sind drei Jahre vergangen und Adobe Muse ist fester Bestandteil der Creative Cloud geworden. Doch viele Creative Cloud-Nutzer kennen oder nutzen dieses Tool nicht. Woran liegt das?

Die Frage, ob es besser ist, HTML/CSS klassisch zu programmieren oder diese Arbeit einem WYSIWYG-Editor zu überlassen, ist in der Werbebranche so alt wie das Internet selbst – regelrechte Glaubenskriege wurden zu diesem Thema schon geführt. Dabei haben beide Methoden ihre Berechtigung. Schauen wir uns zwei wichtige Faktoren an.

Wer sollte mit Adobe Muse arbeiten?

Zum einen gibt es den professionellen Webentwickler, der in seiner täglichen Arbeit an Webprojekten zahlreiche Anforderungen miteinander in Einklang bringen muss:

  • Anbindung an Datenbanken
  • Mehrsprachigkeit
  • Lokalisierte Versionen
  • Interaktive Funktionalität
  • Implementierung von Content Management- oder Shop-Systemen
  • Suchmaschinen-Optimierungen
  • Responsive Webdesign (damit die Webseite auf unterschiedlichen Endgeräte optimal wiedergegeben wird)

Für den professionellen Webentwickler ist eine klassische Programmierung und Entwicklung von Hand unabdingbar und er wird daher nicht mit einem WYSIWYG-Editor wie Adobe Muse arbeiten.

Zum anderen gibt es jedoch auch viele Grafiker, Designer und andere Kreative, die neben ihrer klassischen Arbeit zunehmend vor neue Herausforderungen gestellt werden:

  • Eine kleine Webseite oder Landing-Page gestalten und umsetzen
  • Eine Mikro-Seite für eine geplante Werbeaktion erstellen
  • Einen Mock-up für einen Webauftritt kostengünstig erstellen

Diese Projekte gilt es oft, sehr schnell umzusetzen; gleichzeitig haben sie meistens keine lange Lebensdauer oder es steht nur ein geringes Budget zur Verfügung.

Die Zielgruppe für Adobe Muse ist also hiermit klar definiert: Grafiker und Designer, die in kleinen Werbebüros arbeiten, Angestellte in der unternehmenseigenen Grafik-, Marketing- und Kommunikations-Abteilung oder einfach Freiberufler in der Medienbranche.

Alle hier genannten Kreativen sind Gestaltungsprofis, haben aber meistens wenig oder fast keine Kenntnisse in der klassischen HTML-, CSS- oder Script-Programmierung. Genau diese Lücke schließt Adobe Muse perfekt.

Was kann ich alles mit Adobe Muse machen?

Der Markt für Webdesign ist vielfältig. Es gibt hochkomplexe Webseiten, wie große Firmenpräsentationen, internationale Unternehmensportale, Social Networks, Webshops, etc. Diese werden mit Datenbanken, Content Management- oder Shop-Systemen programmiert und mit speziellen Serveranforderungen oder unterschiedlichen Datenschnittstellen versehen. Hier ist wie zuvor erwähnt der klassische Webentwickler und Webdesigner gefragt, der das Projekt klassisch programmiert.

Aber es gibt auch viele kleine Webseiten, die nicht diese hohen technischen Anforderungen stellen. Meistens bestehen sie aus ein paar wenigen Seiten und dienen hauptsächlich zur einfachen Webpräsenz, Imagepflege oder Information. Hierzu bedarf es keines großen Programmieraufwands oder komplexer technischer Anpassungen. Diese Aufgabe können die „klassischen“ Kreativen nun mit Adobe Muse bewerkstelligen und damit ihr Dienstleistungsportfolio stark erweitern.

Muse ermöglicht es, dank einer "grafischen Oberfläche" anspruchsvolle Webseiten ohne Programmierkenntnisse zu gestalten. Adobe Muse erzeugt dabei automatisch im Hintergrund standardisiertes HTML5, CSS und Java.

In einigen Werbeagenturen wird Adobe Muse für das erstellen von Mock-ups/Protoypen verwendet. Hier kann der Designer eine Webseite gestalten, die sofortige Funktionalität bietet. Dies spart enorme Kosten bei der Vorbereitung für die Präsentation beim Kunden. Bisher wurde das Design vom Grafiker erstellt und dann von einem Programmierer aufwendig umgesetzt. Erst wenn der Kunde die Idee kaufte, wurde im Anschluss die Gestaltung mit einem ordentlichen Content Management-System oder mit einer Datenbankanwendung umgesetzt.

Der Einstieg in Adobe Muse ist ganz einfach!

Wer die klassischen Adobe-Produkte wie InDesign, Photoshop oder Illustrator kennt, wird sich sehr schnell in der Oberfläche zurechtfinden. Werkzeuge und Bedienfelder sind in vielen Bereichen identisch. Zusätzlich gibt es wichtige Arbeitsbereiche wie beispielsweise „Planung“ und „Entwurf“.

Im Arbeitsbereich Planung organisieren Sie Ihre Webseitenhierarchie. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, mit Musterseiten verschiedene Seitenlayouts zu erstellen, welche Sie auf unterschiedliche Seiten in Ihrem Webprojekt anwenden können.

Für den Entwurf Ihrer Webseite haben Sie alle klassischen Werkzeuge zur Verfügung:

Vektor-Tool, Farbfelder, Objektattribute, Schriften, Zeichen und auch Absatz- und Zeichenformate. In Muse können Sie mit einfachem Aufwand Bilder und Grafiken platzieren und diese mit Text umfließen lassen.

Wenn es um die Gestaltung von Navigationen und interaktiven Elementen geht (zum Beispiel Social Network-Buttons, Formulare, Bedienfelder oder Diashows), stehen Ihnen zahlreiche Plug-ins, sogenannte Widgets zur Verfügung. Diese lassen sich einfach platzieren, konfigurieren und gegebenenfalls mit wenig Aufwand an das eigene Design anpassen. Genauso können Sie YouTube-/Vimeo-Videos oder einen Kartenausschnitt aus Google Maps in die Webseite integrieren.

Des weiteren bietet Adobe Muse die Möglichkeit  verschiedene Effekte auf Objekte anzuwenden, die zur parallaxen Bewegungen oder Transparenzänderungen beim Scrollen führen können.

Zum Schluss, wenn Ihre Webseite fertigist, unterstützt Sie Muse dabei, die Seite direkt auf Ihren Webserver zu laden oder sie als HTML5, CSS und Java-Scripte zu exportieren.

Überzeugende Webseiten ohne Grenzen

Die Gestaltungsmöglichkeiten mit Adobe Muse sind fantastisch. Schauen Sie sich doch einfach ein paar Beispiele an!

Auf der Webseite http://muse.adobe.com/site-of-the-day finden Sie eine schöne Übersicht über Webprojekte, die mit Adobe Muse erstellt wurden. Täglich werden hier neue Muse-Webseiten vorgestellt. Lassen Sie sich inspirieren!

 

Workshops & Schulungen zu Adobe Muse:

Kurs-Informationen zu meinen Adobe Muse Schulungen, Seminare, Workshops 

Meine öffentliche Workshops in der Schweiz finden Sie bei www.digicomp.ch

Weitere Workshops auf Anfrage!